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DÜNNE WÄNDE UND OFFEN BIS
UNTERS DACH. DA ZIEHT’S DOCH,
ODER?

Nöö, bei uns geht kein Lüftchen. Wir heizen nämlich wie Römer, mit der Hüllentemperierung. Was? Pass auf, das ist ein Heizsystem nach Henning Großeschmidt, bei der die alte Bausubstanz bewahrt wird, die Dämmmaßnahmen minimiert werden und gleichzeitig durch die Nutzung der atmosphärischen Wärmestrahlung der Energieverbrauch gesenkt wird. Gebäudehülle, Fenster und Heizung bilden dabei ein aufeinander abgestimmtes System. 

Wie kommt man denn auf so was? Von Anfang an war klar, dass wir unsere Wände mit Lehm verputzen wollten. Die Suche nach dem geeigneten Heizsystem stelle ich dagegen etwas schwieriger dar. Eine Fußbodenheizung fiel wegen der geringen Raumhöhe im Erdgeschoss und ersten Stock aus. Für eine Wandheizung haben wir zu wenig Wandfläche. Normale Heizkörper? Doch nicht in einem alten Hof! Unsere Lehmbauer brauchte uns dann auf die Idee der Hüllentemperierung. Dabei werden Kupferrohre direkt an allen Außenwänden angebracht, eingeputzt und fertig. Somit wird die komplette Außenhülle beheizt. Einfaches Prinzip: Wenn die Wände warm sind, kann es innen gar nicht kalt sein.

Die Hüllentemperierung nahm Einfluss auf unseren Wandaufbau. Überlegungen, die Wände mit Holzfaserplatten zu dämmen wurden verworfen. Stattdessen wurden die dünneren Wände im ersten und zweiten Stock mit Lehmziegeln vorgemauert und der Zwischenraum mit Lehmmörtel ausgefüllt. So entstanden dicke und träge Wände – perfekt für das Prinzip der Hüllentemperierung.

Im Erdgeschoss war das Vormauern nicht nötig, die alten Wände waren eh schon dick genug. Lediglich im Treppenhaus haben wir eine Schicht Sanierputz angebracht. Nachdem die Kupferrohre überall verlegt waren, kamen zwei Schichten Grundputz aus Lehm drauf und darauf dann der Finishputz. Hört sich einfach an, ist es auch. Das einzige was man wirklich braucht: Geduld. Die Trocknungszeiten der Lehmschichten ist nicht zu unterschätzen.

Netter Nebeneffekt der Hüllentemperierung: Im Erdgeschoss haben wir ein paar Kupferrohre am Boden verlegt, so haben wir beim Kochen und Essen angenehm warme Füße. Einzige Voraussetzung bei der Wahl des Bodenbelags: Er musste mineralisch sein. War in unserem Fall kein Problem, da wir sowieso mit einem Betongussboden geliebäugelt hatten.